Die empfohlene Erdmischung
Das Substrat, also die Zusammensetzung des verwendeten Bodens ist entscheidend für den Kulturerfolg. Ein geeigneter Boden ist Voraussetzung für das Blühen und die Langlebigkeit der Orchideen. Verschiedene Erdorchideen wachsen in unterschiedlichen Böden. Generell sind Orchideen und ihre Mykorrhizapilze sehr sensibel für die Zusammensetzung der mineralischen und organischen Bestandteile.
Erdorchideen benötigen an Ihren Wurzeln viel Luft zum Atmen, genau wie alle anderen Orchideen auch. Nur wenige Erdorchideen gedeihen in permanenter Nässe. Daher muss die Erde wasserdurchlässig, locker und krümelig sein. Zudem brauchen die Wurzeln eine gleichbleibende Feuchtigkeit während der gesamten Wachstumszeit. Die Erde muss also auch Wasser speichern können.


Wichtig ist zudem das Vorhandensein von mineralischen oder organischen Ionenaustauschern. Das sind bestimmte Mineralien oder komplexe organische Moleküle (Humus) welche Nährstoffe aufnehmen und wieder abgeben können.
Stark beeinflusst wird die Verfügbarkeit der Nährstoffe und die Aktivität der Mykorrhizapilze dabei durch den pH-Wert des Bodens (den Säuregrad). Der pH-Wert des Bodens ist für Erdorchideen von großer Bedeutung. Für Orchideen saurer Böden gilt ein pH-Wert von ca. pH 5. Für Orchideen auf Kalk oder basenreichen Böden gilt ein pH-Wert von pH 6 bis pH 7. Der im Boden vorhandene pH-Wert ergibt sich durch die mineralische und organische Zusammensetzung, die Zersetzung organischer Bestandteile sowie durch die Düngung.
Ein wichtiger Bestandteil der Pflanzerde ist ein organisches Material, welches sich nur langsam zersetzt und dadurch Nahrung an Orchideen und Mykorrhizapilze abgibt.
Frühe Erfolge mit Holzfasersubstraten haben sich über die Jahre bestätigt. Holzfasersubstrate wurden erstmals in den 1990er Jahren von der Intertoresa AG in Zusammenarbeit mit Prof. Penningsfeld als Torfersatz entwickelt. Dabei werden Nadelhölzer zerfasert und durch Dampf, Druck oder andere Behandlungen mit Stickstoff (N), weiteren Mineralien und verschiedenen Stoffen imprägniert oder fermentiert. Verschieden imprägnierte Holzfasern wurden mir von der Intertoresa AG zur Verfügung gestellt und auf ihre Eignung für die Erdorchideenkultur getestet. Holzfasern haben sich bis heute bewährt, werden aber nicht mehr pur, sondern in Mischungen verwendet. Solche Mischungen werden in Gartenzentren und Baumärkten als torffreie Substrate angeboten. Speziell für Orchideen entwickelt wurde Neudohum Orchideenerde. Zu beachten ist, wie stark die Mischungen gedüngt sind. Für Erdorchideen werden solche Mischungen mit Torf, Bims, Seramis, Vulkagran oder ähnlichem gestreckt. Mit Torf ist ein Verhältnis 1 zu 1 günstig. In mineralischen Substraten sollte dagegen nicht mehr als 10 bis 20 % organisches Material enthalten sein. Andernfalls wird der Boden zu schwer und zu nass.


Mit mineralischen Substraten wurden in den letzten Jahren sehr schöne Erfolge auf der Basis von Vulkagran erzielt. Diese Mischung aus Lava, Bims und Zeolith ist sehr strukturstabil und gut drainiert. Das Substrat ist nahezu inert und enthält keine Nahrung für die Mykorrhizapilze. Daher ist eine Zugabe organischer Stoffe notwendig. Um die guten Eigenschaften von Vulkagran zu erhalten, wird nicht mehr als 10 bis 20% organisches Material zugemischt. Sehr gut bewährt hat sich auch das Schichten des Substrates. Das organische Material wird oben als Abdeckung aufgetragen. Zudem eine kleine Menge auch ganz unten im Topf zur Stabilisierung der Topfabzugslöcher.
Für viele Erdorchideen eignen sich auch mäßig gedüngte Torfsubstrate. Dabei kann 10 bis 20 % mineralische Stoffe zugemischt werden. Torfsubstrate sind dann sinnvoll, wenn für bestimmte Orchideen wenig oder keine Erfahrungen mit anderen Erden vorliegen.
Rindensubstrate werden sehr erfolgreich für die Kultur der epiphytischen Orchideen verwendet. Für die Gattung Pleione ergibt Rinde ein gutes Kulturergebnis. Für andere Erdorchideen haben sich Rindensubstrate jedoch weniger bewährt. Eine Zumischung in mineralische Substrate ist möglich.
Bei der Topfkultur wird ein Umtopfen der Pflanze und das Erneuern des Pflanzbodens nach einigen Jahren notwendig. Organische Substrate werden etwa alle 2 Jahre erneuert. Mineralische Substrate erst nach 3 bis 5 Jahren.


Für den Kulturerfolg in Topfkultur ist neben dem Boden auch die Art und Menge des Düngers entscheidend. Nach jahrelangen Versuchen bevorzuge ich nun die Zugabe von Langzeitdüngern bereits beim Topfen der Pflanzen. Für Orchideen saurer Böden empfehle ich den Herbstdünger der Firma Klanz. Saure Böden sind natürlicherweise häufig phosphatarm. Das in diesem Dünger fehlende Phosphat wird von den Mykorrhizapilzen aus der Zersetzung organischer Bestandteile geliefert. Für alle anderen Orchideen empfehle ich den Klanz-Universaldünger. Die zugegebene Menge richtet sich nach der Orchideenart. Kräftige Orchideen fruchtbarer Böden erhalten etwa 0,5 bis 1,5g. Orchideen magerer Böden sowie Jungpflanzen erhalten ca. 0,2 bis 0,5g Langzeitdünger. Der Dünger wird unten im Topf ins Substrat gemischt. Der Langzeitdünger wird nur beim Topfen zugegeben und nicht jährlich erneuert.
Nach Bedarf kann während der Wachstumsperiode mit einem Flüssigdünger gelegentlich schwach nachgedüngt werden. Die Orchideenmykorrhiza ist dann stabil und von größter Bedeutung, wenn keine Nährstoffe im Überschuss vorhanden sind. Zu viele Phosphate P sowie viel Stickstoff N sind für die Stabilität der Mykorrhiza ungünstig. Das Element Stickstoff N wird besonders durch die Zersetzung organischer Stoffe, insbesondere von Holz, auf ein für die Mykorrhiza günstiges Niveau verringert.
Welches Substrat ist nun besser? Ein organisches Substrat, also Torf und Holzfasermischungen oder ein mineralisches Substrat mit nur geringen organischen Komponenten. Diese Frage lässt sich nicht allgemein beantworten. Ich habe oft parallel mit beiden Pflanzböden gearbeitet. In organischen Substraten wachsen die Orchideen in der Regel gut. In mineralischen Substraten oftmals sehr gut, falls die Mischung und die anderen Kulturfaktoren optimal sind. Allerdings ergeben sich in mineralischen Substraten öfters Probleme, falls die Kulturführung und der Boden nicht so optimal sind. Der Verlust von Pflanzen ist in mineralischen Substraten höher. Organische Substrate sind sicherer. Daher kultiviere ich bevorzugt in organischen Böden, insbesondere wenn ich die optimalen Bedingungen für die Pflanzen nicht kenne.
Auf keinen Fall ratsam ist es, die empfohlenen Bestandteile, mineralisch und organisch eins zu eins zu mischen. Eine solche Mischung wird zu schwer uns zu nass.
